Eine Bürgervision für Hamburg

Eine Bürgervision für Hamburg [1]Eine Bürgervision für Hamburg [2]Eine Bürgervision für Hamburg [3]Eine Bürgervision für Hamburg [4]

Nexthamburg, das seit 2009 aktive Crowdsourcing-Projekt zu Fragen der Stadtentwicklung in Hamburg hat kürzlich seine bisherigen Ergebnisse und Erkenntnisse in Form eines wunderhübsch gestalteten Buches herausgebracht. Eine Vision für eine neue Stadt.

Wie stellen sich Hamburgerinnen und Hamburger ihre Stadt im Jahr 2030 vor? So lautet der erste Satz des Klappentextes. Ein kurzes Durchblättern des 120-seitigen gelben Buches genügt, um zu erkennen: grün, bunt, innovativ, experimentierfreudig, zum Teil verrückt und noch viel mehr. Eine Fülle von Ideen fliegt dem Leser auf eindrucksvolle Art entgegen; viele von Ihnen liebevoll visualisiert. Ein künstlicher Hügel in Altona, ein informelles Low-Cost Quartier am Grindel, ein neuer Stadtteil gegenüber den Landungsbrücken, eine Dachgartenlandschaft in der HafenCity und vertikal gestapelte Schrebergärten sind nur einige Beispiele für eine in dieser Bandbreite wohl noch nicht veröffentlichten Ideensammlung.

Am besten gefällt mir ganz klar die Vision der Kinder des Hamburger Kinderhauses Kunterbunt. Mobile Aussichtstürme, Pony-Schnellstrecken, Monsterecken und Schleimhäuser sind für Hamburg schließlich absolutes Neuland und bisher eindeutig viel zu wenig diskutiert. Probleme habe ich persönlich mit der Sehnsucht nach Gebäuden der Vergangenheit, die in vielen Beiträgen erkennbar wird. Ich halte die Rekonstruktion verlorener Bauten für sinnlos und falsch. Aber ich kann diese Meinungen ernst nehmen und respektieren. Ihre Beständigkeit und Anzahl zeigt ja auch klar eine Richtung auf, aus der Stadtentwickler und Architekten
etwas lernen können, oder besser sollten. Auch diese Richtung tritt im Buch mehr als deutlich zutage. Nach Ansicht der Bürger, die zur Bürgervision beitragen haben, wird Hamburg in Zukunft wieder fußgängerfreundlicher und beendet die Dominanz des Autos. Insofern wird klar ein alter Zustand wieder hergestellt, nur halt nicht rekonstruiert sondern intepretiert und mit modernen Mitteln. Das zukünftige Hamburg verfügt über einen leistungsstarken öffentlichen Nahverkehr, kehrt zurück zur Stadtbahn, hat bessere Plätze und Straßenräume und erhält sich seine soziale Mischung durch Räume für Austausch, Kreativität und Gemeinschaft. Gute Aussichten möchte man meinen.

Sehr interessant ist auch der einleitende Teil des Buches, in dem Julian Petrin, hauptverantwortlicher Autor und Gründer von Nexthamburg, sowohl das Projekt allgemein, als auch den Weg zur Bürgervision ausführlich dokumentiert und in die aktuelle Stadtentwicklung einordnet. Die »Regeln« der Beteiligung, die sich im Verlauf von drei Jahren Nexthamburg herauskristallisierten, dürften für Stadtentwickler sicher sehr interessant und lehrreich sein.

Zwei Regeln möchte ich an dieser Stelle gerne zitieren; die Erste und die Siebte.

»1. Beteiligung braucht ein klares Versprechen. Was passiert mit den Ergebnissen? Wie werden sie Einfluss auf die Stadtentwicklung nehmen? Und sei es noch so klein, das Versprechen muss gehalten werden.«

»7. Online alleine funktioniert nicht. Ob Workshop, Salon, Zukunftscafé oder mehrtägiges Camp. Erst echte Begegnungen machen aus einer losen Netz-Community eine starke Gemeinschaft.«

Für alles Weitere empfehle ich den Kauf des Buches. »Nexthamburg – Bürgervision für eine neue Stadt« ist für 18 Euro im Buchhandel erhältlich und wird mit ziemlicher Sicherheit begeistern. Ich für meinen Teil bin sehr froh, einige Visualisierungen, Fotos und natürlich Ideen beigesteuert zu haben.

One Response to Eine Bürgervision für Hamburg

  1. Mark says:

    Ich habe ein anderes interessantes Crowdsourcing projekt zu einem ähnlichen Thema gefunden. Von der Leuphana Digital School gibt es einen Kurs zum Thema die ideale Stadt, online Vorlesungen und Zusammenarbeit in Gruppen über Social Media. Scheint mir nen inetressanter Ansatz. geleitet wird das von Daniel Libeskind: http://digital.leuphana.com..

Post a comment