Studieren mit dem iPad
Wer sich in deutschen Universitäten umschaut, sieht neben bunten Turnschuhen vor allem eines: Laptops, und nicht selten weiße. Ein Studium ohne Laptop erscheint aus dieser Perspektive zumindest unvorteilhaft. Ich freue mich, dass ich in Torsten Dobe einen Nerd gefunden habe, der das Experiment wagt, sein Studium gänzlich ohne Laptop zu bestreiten und über seine bisherigen Erfahrungen berichtet.
Torsten, was studierst du eigentlich?
Ich studiere Lehramt in den Richtungen Geschichte und ökonomische Bildung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Zusätzlich arbeite ich an der Uni als administrativer Mitarbeiter im Gasthörstudium. Ich bin zuständig für die Immatrikulationsangelegenheiten der älteren Gasthörer und erstelle das Kursprogramm.
Wieso hast du dich entschieden, dein Studium ohne Laptop zu bestreiten?
Die Entscheidung zum iPad kam daher, weil ich mein altes schwarzes Macbook zunehmend als lästig empfunden habe. Es war schwer, laut und für die Aufgaben, die bei mir anfallen, nicht leistungsstark genug. Mir war daher schon länger klar, dass ich zu Hause einen leistungsstarken Rechner mit großem Bildschirm und für unterwegs eine noch mobilere Lösung haben will.
Ich habe also bei Facebook gepostet, dass ich das Macbook loswerden möchte und habe noch 500 Euro dafür bekommen. Das war drei Tage vor dem Start des iPad 2. Also habe ich mich direkt in die Schlange gestellt. Seitdem bin ich mit dem iPad in der Uni unterwegs.
Wie sieht dein Equipment denn nun genau aus?
Zu Hause habe ich einen 21,5″ iMac, der als fester Arbeitsplatz dient und an dem ich alle längeren Textarbeiten verfasse. Unterwegs und in der Uni ist mein Setup sehr überschaubar. Ich habe mein iPad, mit dem ich in der Uni allerdings ein ziemlicher Exot bin. Ich habe an der ganzen Uni Oldenburg bisher nur zwei weitere iPads gesehen. Daneben habe ich mein inzwischen ziemlich in die Jahre gekommenes iPhone 3GS dabei, sowie meinen Kalender. Den Kalender nutze ich nicht nur, um schnell Sachen aufzuschreiben sondern auch, um die alten Leute nicht zu verwirren.
Was heißt das?
In Gesprächen mit Professoren zum Beispiel nehme ich anstelle des iPads lieber einen schlichten klassischen Kalender zur Hand, um das Gespräch auf der thematischen Ebene zu halten und nicht auf die Technik zu sprechen zu kommen.
Auf das Gerät kommst du sicher öfter zu sprechen, oder?
Oh ja! Viele sind von dem Gerät begeistert, glauben aber, dass man damit nur Gelegenheitsaufgaben erledigen oder Spiele spielen kann. Dass man mit dem iPad auch arbeiten kann, verstehen viele zuerst nicht. Auch dass man auf der Tastatur richtig schnell und gut schreiben kann, will zuerst keiner glauben.
Man kann damit also auch studieren?
Ja, aber das Studium mit dem iPad zu bestreiten erfordert eine gänzlich andere Strategie als mit einem Laptop. Ich musste meinen Arbeitsrhythmus ein wenig umstellen und voll auf Dienste setzen, die ihre Daten über mehrere Geräte hinweg synchron halten. Ohne die Wolke geht gar nichts. Bei mir läuft fast alles über die Dropbox, die ich für essenziell halte. Hilfreich hierbei ist, dass auf dem ganzen Campus WLAN bereitsteht, bei Freunden sowieso und auch in meinem bevorzugten Café in Oldenburg.
Zumindest die Studienverwaltung sollte doch problemlos funktionieren.
Sehr gut sogar. Die Verwaltung meines gesamten Studiums läuft online über Stud.IP. Ökonomische Bildung beispielsweise ist ein gänzlich online-basierter Studiengang ohne Seminare und Tutorien. Hier gibt es nur Vorlesungen und einen zentralen Online-Auftritt, in dem Umfragen gestellt werden und die Fachliteratur zur Verfügung steht. Die Aufgaben für die Kurse gibt es nur online zu sehen und die Antworten werden ebenfalls direkt online eingestellt. Man kann zum Beispiel keine Ausdrucke abgeben.
Dieses online-zentrierte System funktioniert auf dem iPad wunderbar. Die Fachliteratur auf dem iPad zu lesen ist natürlich klasse und viel angenehmer als auf einem Laptop oder am iMac. Und auch die Antworten auf die Aufgaben verfasse ich direkt mit dem iPad.
Welche Apps kommen bei dir zum Einsatz?
Hauptsächlich iBooks, Filer und Dropbox.
iBooks ist ganz wichtig zum Betrachten der Vorlesungsfolien sowie weiterer begleitender Powerpoint- und PDF-Dateien, die mir im Studium begegnen. Die kann ich aus der Studienverwaltung direkt in iBooks speichern und dort lesen. Das Programm Filer kann .zip-Archive auf dem iPad öffnen und in die Dropbox speichern. Das ist sehr praktisch, da viele Studienmaterialien immer mal wieder als Archive zur Verfügung gestellt werden. Filer kann auch Dateien verschieben, umbenennen und so weiter. Sehr praktisch und für mich ebenfalls wichtig. Die Dropbox habe ich ja bereits erwähnt. Ohne die geht gar nichts.
Und außerdem?
Ich benutze Pages, um Word-Dokumente zu erstellen, zu bearbeiten und zu speichern. Zwar habe ich auch Dropbox-basierte Texteditoren wie Elements getestet, die kleiner und schneller sind, aber leider keine Word-Dokumente handhaben können. Das ist ungünstig, denn Professoren bevorzugen in der Regel Word und können mit RTF-Dokumenten nicht allzu viel anfangen.
Für meine Aufgabenverwaltung, vor allem für etwas größere Projekte wie eine umfangreiche Hausarbeit, nutze ich 2Do und für meine Terminverwaltung nutze ich MobileMe, das ja im Herbst vom Service iCloud abgelöst wird.
Etwas spezifischer ist Evernote Peek als Lernkarten-Lösung. Das klappt bei mir zwar noch nicht so gut, weil die Antworten auf meine Vorlesungsfragen einfach zu lang sind und Evernote Peek nur 5 Zeilen zulässt. Ich werde aber vermutlich noch einen Lateinkurs belegen und dafür ist das Programm bestimmt super.
Neu, vielversprechend aber von mir bisher noch nicht erprobt ist die Online-Ausleihe der Stadtbibliothek Oldenburg. Die haben kürzlich eine App rausgebracht, in der man sich Bücher ausleihen und in iBooks lesen kann. Die verfallen dann nach einem Monat. Bestimmt ebenfalls sehr praktisch, vor allem für mein Fach Geschichte. Da finden sich in der Stadtbibliothek einige gute Quellen.
Spezielle Pädagogikprogramme habe ich leider noch nicht gefunden.
Wie nutzt du das iPad in Vorlesungen?
Das kommt ganz drauf an. Im Fach Geschichte zum Beispiel muss viel mitgeschrieben werden, da die Unterlagen nicht online zur Verfügung gestellt werden. Normales Mitschreiben klappt auf dem iPad ganz gut. In Fächern, in denen ich eine vollständige Vorlesungsmitschrift anfertigen muss, nehme ich die Vorlesung aber mit dem iPhone auf und transkribiere sie zu Hause am Rechner komplett. In Ökonomischer Bildung wiederum kennt man die Vorlesung bereits, da sie vorher zur Verfügung gestellt wurde. Da nutze ich das iPad, um während der Vorlesung die Unterlagen präsent zu haben und schreibe nur spezifische Sachen mit.
Was mir noch fehlt, ist ein richtig guter Stift für das iPad, mit dem ich schnell Schaubilder abzeichnen kann. Da es diesen noch nicht gibt, mache ich meistens ein Foto und male es danach ab. Ich probiere den elektronischen Ansatz, da ich mit Papier einfach keine Ordnung halten kann.
Das klappt mehr oder weniger. Ein paar Sachen muss ich einfach schnell mitschreiben können, zum Beispiel in einer Sprechstunde. Da nutze ich natürlich ein Notizbuch und hole nicht erst mein iPad raus.
Wie macht sich das iPad in Gruppenarbeiten?
Gruppenarbeiten sind überhaupt kein Problem, da wir alle mit der Dropbox arbeiten, um unsere Dateien auszutauschen. Datenaustausch per USB Stick kommt eigentlich gar nicht mehr vor.
In Gruppenterminen ist mein iPad inzwischen zum Buch-Ersatz und Nachschlagewerk für alle geworden. Jeder nimmt es sich, wenn er es mal kurz braucht. Das ergänzt sich sehr gut mit den Laptops, die die anderen Leute mit in die Runde bringen.
Ist ein iPad im Studium praktischer als ein Laptop?
Viele sind begeistert vom iPad, sehen aber auch, dass man sich für ernsthafte Anwendungen auch ernsthaft mit dem Gerät befassen muss. Man muss sich bewusst sein, wie man Aufgaben gelöst bekommt und was man alles braucht. Ich denke, dass für die Uni derzeit ein Laptop noch die einfachere Lösung ist.
Torsten ist auf Twitter einfach followbar.
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Hallo ich habe gerade auch mit meinem Studium begonnen und möchte auch mein iPad in der fh nutzen. Ich kann noch die Programme upad und goodnotes empfehlen mit denen man Skripte öffnen kann und auch darin zeichnen und schreiben kann. Mit einem stylus klappt das wirklich gut
Hallo Oliver, danke für Deinen Kommentar.
Habe in letzter Zeit einiges Positives zum Bamboo Stylus von Wacom gehört. Nutzt du den auch?