Bewegungs-Profile durch die Hosentasche

Bewegungs-Profile durch die Hosentasche

Viele werden es mitbekommen haben. Das iPhone sorgt dieser Tage für Schlagzeilen und hat es mal wieder in die Tagesschau geschafft. Diesmal hat sich Apple allerdings einiges an negativer PR eingefangen und das völlig zurecht.

Was ist genau passiert?

Ich zitiere mal das iPhoneBlog:
Zwei O’Reilly-Forscher, Alasdair Allan und Pete Warden, veröffentlichten einen Artikel, einen Video-Talk sowie ein Mac-Programm über die Log-Datei ‘consolidated.db’. Diese enthält Längen- und Breitengrade sowie Zeitstempeln von Mobilfunk-Sendemasten und WiFi-Netzwerken – keine GPS-Daten. Die Datenbank befindet sich auf dem iPhone und nach einer Synchronisation über iTunes auch auf dem Computer. Verschlüsselt man sein Backup nicht, ist die Datei zugänglich.

Schon seit letztem Jahr ist bekannt, dass iPhones Standortdaten von WLAN-Stationen und Mobilfunkmasten an Apple funkt, aus denen das Unternehmen eine Datenbank erstellt hat. Dass aber diese Standortdaten auch auf dem Gerät (gilt auch für iPads) und in einem Backup schlummern hat Apple seinen Kunden bisher nicht mitgeteilt, was ich schlicht als unverschämt empfinde. Denn wenn das Backup nicht verschlüsselt wurde, lässt sich daraus durch die Software iPhone-Tracker ein sehr hübsches Bewegungsprofil erstellen – delikat insbesondere im Falle eines Diebstahls.

Was heißt das jetzt?

All dies klingt zunächst einmal abstrakt. Daher habe mir das den iPhone-Tracker mal installiert und die in meinem Backup schlummernde Datenbank visualisieren lassen. Das Ergebnis zeigt mein Reiseverhalten in den letzten Monaten, schick auf eine zoombare Open-Streetmap-Karte gelegt.

Ich will jetzt nicht zu sehr den Teufel an die Wand malen, denn eigentlich finde ich eine solche Visualisierungs-Möglichkeit sehr spannend und nützlich. Ich möchte nur unbedingt informiert werden, dass eine solche Datenbank in meinem Telefon und auf meinem Mac existiert und natürlich die Kontrolle darüber haben, was und ob etwas mit diesen Daten geschieht. Da Apple dies nicht für nötig befunden hat, ist die negative PR absolut gerechtfertigt. Hoffentlich wird Apple zukünftig eine offenere Info-Politik in Sachen Standortdaten fahren und mit einem kommenden iOS-Update die Schwachstelle der zugänglichen Datenbank in einem unverschlüsselten Backup beheben.

Was bleibt bis dahin zu tun?

Wer jetzt unsicher geworden ist, der sollte unbedingt sein iPhone-Backup verschlüsseln, was sich in iTunes mit einem Klick bewerkstelligen lässt. Die Standortdaten lassen dann nicht mehr auslesen. Ein verschlüsseltes Backup bringt zusätzlich den Vorteil, dass gespeicherte WLAN-Kennwörter bei der Migration auf ein neues iPhone mitgenommen werden können.

Und Android?

Quasi gleiche Problematik

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UPDATE
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Da ist sie schon, die offizielle Stellungnahme, die Licht ins Dunkel bringt und einige Verbesserungen ankündigt. Alles halb so wild.

Responses to Bewegungs-Profile durch die Hosentasche

  1. Pommolox says:

    Ach Gottchen, mein iPhone sammelt und speichert auch meine Emails, SMS und Telefonverbindungen. Dieses “Bewegungsprofil” ist viel aussagekräftiger als die Info, wo ich mich aufgehalten habe. Gleiches gilt für meine Internetverbindungen.
    Was soll die ganze Hysterie?
    Wer derartige “Bewegungsprofile” fürchtet ( und dies wohl auch nötig hat), soll die Finger von modernen Kommunikationsmitteln lassen.
    Habt Ihr sonst keine Sorgen???
    Pommolox

  2. sven says:

    Jede Menge!
    Und zu denen äußere ich mich in der Regel und schreibe auch darüber.
    Mit Ausschluss-Argumenten á la “dann lass es halt”, werden wir nicht weit kommen und Dinge zum Positiven verändern.

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